Vielfalt verbindet!

(Theater-)Spielend sich selber und sein Heimatland mit Blick auf Europa (neu-)entdecken. Dazu haben wir 10 Jugendliche aus Deutschland und 10 Kronstädter diesen Sommer aufgefordert. Während einer Reise durch Rumänien im Juli und Deutschland im September haben wir die Multikulturalität und Multiethnizität unserer Länder zu entdecken, zu erleben, zu verinnerlichen und über unsere Gefühle hinaus, in eine szenische Darstellung auf die Bühne zu bringen versucht.

Das Projekt “Multiethnizität neu gedacht”, welches durch das Erasmus+ Programm der EU gemeinsam mit dem Ludwig Wolker e.V. aus Berlin durchgeführt wurde, ist eine Begegnung gewesen, aus welchem die Teilnehmer viel über sich selbst und über Europa lernen konnten.

Der erste Teil der Reise, welcher die vielen Facetten Rumäniens aufzeigt, fand im Juli statt. In Klausenburg haben wir uns als Gruppe kennengelernt und hier haben wir während einer Stadtrally und bei selbst durchgeführten Straßeninterviews direkt von den Leuten erfahren, wie viele Kulturen in dieser Stadt heute noch leben. In Katzendorf (rum. Cața) haben wir von Frieder Schuller viel über die traurige Geschichte der einstmal von Siebenbürger Sachsen bewohnten Dörfer erfahren, wir haben aber auch mit einigen Romakinder in unseren Theaterübungen sehr interessante Standbilder zu Begriffen wie “Ausgrenzung”, “Versöhnung”, “Hass” oder “Liebe” dargestellt und wir haben uns von einer 900 Jahre alten Eiche inspirieren lassen. Kronstadt war der Höhepunkt der Rumänienreise. Die Deutschen Teilnehmer durften bei den rumänischen Teilnehmer übernachten und haben so die Gastfreundlichkeit Rumäniens entdeckt. Hier hatten wir aber auch unsere große Aufführung. In 45 Minuten haben wir auf der Bühne der Redoute aktuelle Probleme unserer Gesellschaft dargestellt, welche einem multikulturellem Miteinander in Europa heute im Weg stehen. Die Auflösung des Stückes zum Schluss haben wir als Gemeinschaft im Beisammensein gezeigt, was viele der Zuschauer bis auf die Tränen gerührt hat. Ob sie sich wieder erkannt haben? Bukarest zum Schluss. Selbst für die rumänischen Teilnehmer war hier vieles neu zu entdecken. Eine sehr aktive Stadt, welche von allen Standpunkten “Multi” ist: Architektur und Baukunst, die Menschen und ihr Verhalten, die Geschichte, die Autos. Und dann der Abschied. Aber nur bis…

September! Die gesamte Gruppe trifft sich zum zweiten Teil des Projektes in Berlin wieder. Hier wollen wir nun sehen, was alles in Deutschland “MultiKulti” ist. Die Zeit ist kurz und wir glauben es nicht geschafft zu haben uns mit der riesigen Stadt zu gewöhnen, aber wir haben über Vieles gestaunt: die Architektur durch welche viel noch ziemlich frische Geschichte ausgestrahlt wird, die Menschen, welche bestimmt unterschiedliche Träume und auch Lebensbedingungen haben, und trotzdem die Stadt im Miteinander teilen, in der U-Bahn, am Flohmarkt am Mauerpark oder einfach im Supermarkt, die lebhafte Aufarbeitung der Geschichte, was wir bei uns hier Zuhause kaum im Geschichteunterricht erleben, die rumänische Botschaft in Berlin, wo wir ein einmaliges Gespräch mit dem Botschafter und der früheren Stimme von Radio Europa Liberă, Emil Hurezeanu, haben konnten, die Ostsee, in welcher unsere Jungs auch (kurz) gebadet haben und entlang derer wir in Stralsund viele Kilometer mit dem Fahrrad gefahren sind, nicht zuletzt staunten wir aber auch über unsere Gefühle und freuten uns der neuen Freunde die wir gefunden haben und welche wir gemeinsam mit dieser Reise auf unseren weiteren Lebensweg mitnehmen werden.

Wir glauben Europa ein Stück weit erlebt zu haben. Nicht einfach nur durch eine Reise. Selten wurden wir aufgefordert einen Bezug zwischen der Geschichte und unserer heutigen Gegenwart zu machen. Und wir mussten feststellen, dass nicht alles selbstverständlich ist, was wir heute haben. Europa ist nicht selbstverständlich. Identität, Ethnien, Minderheiten, Kulturen, Traditionen – es spielt viel hinein in den Begriff “Europäer” und eEs gibt vieles zu entdecken, zu respektieren, vieles wofür man früher einstehen musste und heute einstehen muss, vieles für was wir dankbar sein sollten und einiges was sich niewieder wiederholen darf. Ganz besonders ist aber die Verbindung zwischen der Geschichte und unserem Schauspiel. Über diese Verbindung erleben wir das Hier und Heute mit offenen Augen. Die Freiheit in den Proben sagen und machen zu können was wir gerade denken und fühlen, die ehrliche Beziehungen miteinander, auf welche wir angewiesen sind um glaubhaft auf der Bühne zu erscheinen, das gegenseitige Vertrauen… all das und vieles mehr haben wir dank dieser Reise (neu) entdeckt.

Das Projekt ist auf Initiative von Dr. Heinke Fabritius, der Kulturreferntin für Siebenbürgen bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) entstanden, welche die Projektträger und Kooperationspartner gefunden hat:
– der Ludwig-Wolker-Verein aus Berlin gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend aus Berlin, vertreten durch die Bildungsreferentin Renate Krekeler-Koch
– der Honterus Alumni Club gemeinsam mit dem Deutschen Jugendforum aus Kronstadt, vertreten durch Petra und Paul Binder.

Das Erasmus+ Programm “Jugend in Aktion” und eine Kofinanzierung durch das BKM Programm “Vielstimmige Erinnerung – gemeinsames Erbe – europäische Zukunft” haben das Projekt ermöglicht.

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